Mit Würde dem dementiell veränderten Bewohner begegnen:
Validation nach Naomi Feil im AWO Pflege- und Betreuungszentrum Bad Düben
Der Begriff Demenz, aus dem Lateinischen kommend, setzt sich zusammen aus den Wörtern „de“ = weg von…..und „mens“ = Geist, Verstand, also „weg vom Geist“ sein.
Versetzen wir uns nun einmal hinein in den dementiell veränderten Menschen.
Wie ist es, wenn man mangelhaft orientiert oder desorientiert ist? Was bewegt einen Menschen, wenn Worte fehlen, wenn diese Realität nicht mehr zu ertragen ist?
Wichtig ist anzuerkennen, dass jedes Verhalten einen Grund hat. Im AWO Pflege- und Betreuungszentrum Bad Düben wird sich mit diesen Fragen klar durch Zuhören, Anerkennen und Wertschätzen auseinandergesetzt. Möglich wird das durch das bewusste Anwenden des Validationskonzeptes nach der deutsch-amerikanischen Gerontologin Naomi Feil.
Seit Januar 2025 verstärkt Frau Rena Behre (ausgebildete Validationsanwenderin im Level III) das Team und hat die Validation fest in den Alltag integriert. Ihr Ziel ist es, Menschen mit Demenz nicht zu korrigieren, sondern ihre Erlebniswelt gelten zu lassen.
Validation ist eine Methode im Umgang mit mangelhaft orientierten und desorientierten Menschen, die auf Empathie und Anerkennung basiert. Statt vermeintlich „falsche“ Aussagen zu berichtigen, wird versucht die innere Wirklichkeit der Betroffenen zu verstehen. Gefühle werden ernst genommen, Bedürfnisse anerkannt und respektiert. Dabei spielen nicht nur Worte eine Rolle, Blickkontakt, Gestik, Körperhaltung und Tonfall – also die nonverbale Kommunikation – sind ebenso wichtig wie das gesprochene Wort.
„Validation hilft uns, hinter das Verhalten zu schauen“, erklärt Rena Behre. „Wenn wir verstehen, welche Gefühle dahinterstehen, können wir viel gezielter und würdevoller begleiten.“ Vertrauen aufbauen, Selbstwertgefühl stärken und den Menschen mit Demenz mit Respekt, Anerkennung und Würde begegnen sind deshalb unerlässlich für eine erfolgreiche Validation.
Im Bad Dübener AWO Pflege- und Betreuungszentrum wird Validation auf zwei Ebenen angewandt. Zum einen bei der Einzelvalidation. Hier arbeitet Rena Behre individuell mit einzelnen Bewohnern. Zum anderen gibt es einmal wöchentlich die Gruppenvalidation auf jedem Wohnbereich. Mehrere Bewohner kommen dabei zusammen und übernehmen – orientiert an ihrer Biografie – ein vertraute soziale Rolle. Im thematischen Teil dieser Gruppenvalidation werden gemeinsam, im Vertrauen auf die intuitive Weisheit der Bewohner, Themen erörtert und Lösungen gefunden.
Unsere Bewohnerin Frau G. äußerte kürzlich ihren Dank dafür, dass sie Erlebnisse und Erfahrungen, die tief in ihr schlummern und unausgesprochen sind, in diesem Rahmen anvertrauen darf und kann. Weiter sagte sie: „Es ist schön sich wieder dazugehörig zu fühlen.“
Inzwischen gibt es auf jedem Wohnbereich eine Validationsgruppe. Ihre Namen – „Hallo Freunde“ sowie zweimal „Sonnenschein“ – haben sich die Bewohner selbst gegeben. Die Bedürfnisse der Teilnehmenden werden hier nicht hinterfragt oder korrigiert, sondern validiert. Das schafft Sicherheit, stärkt das Selbstwertgefühl und fördert das Gemeinschaftsgefühl.
Rena Behre ist dankbar für das Angebot und überzeugt von der Wirkung – für die Bewohner ebenso wie für die Mitarbeitenden und Angehörigen. Schon nach vergleichsweise kurzer Zeit zeigt sich, dass Validation die zu pflegenden und begleitenden Menschen emotional entlasten kann und dadurch herausforderndes Verhalten spürbar reduziert wird. Und das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Arbeit der Pflegekräfte in unserem Haus aus.
In dieser Atmosphäre ist es auch möglich geworden, weitere Angebote für die Bewohner umzusetzen. So findet im wöchentlichen Rhythmus auch ein Singkreis und ein Handarbeitscafé statt. Am 19. März - zum Tag der Demenz - wurde mit den Teilnehmern des Handarbeitscafés gemeinsam mit den Vorschülern aus der Biberburg eine Schale mit „Vergissmeinnicht“ bepflanzt, an denen sich nun alle erfreuen können.
Damit das Wissen um die Validation im gesamten Team ankommt, gibt Rena Behre ihre Erfahrungen und Techniken in regelmäßigen Schulungs- und Austauschrunden an die Mitarbeiter des Hauses weiter. Die Anwendung der Validation im AWO Pflege- und Betreuungszentrum Bad Düben ist etwas ganz Besonderes und zeigt klar einen Weg in die Zukunft – hier wird moderne, wertschätzende Pflege gelebt. Ein Arbeitsumfeld, das Fachlichkeit, Menschlichkeit und Teamarbeit verbindet und in dem Pflege mehr ist als Versorgung, nämlich echte, würdevolle Begegnung.