Projekt „Eltern sein auf Probe“

Eltern sein auf Probe – Ein Projekt der AWO Schwangerenberatungsstellen Bad Düben, Delitzsch und Eilenburg

Anfang Juni hatten die Abschlussklassen der Pestalozzischule Delitzsch eine besondere Gelegenheit: Im Rahmen eines Projekttages konnten sie erleben, wie es sich anfühlt, Eltern zu sein – zumindest auf Zeit. Zwei Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatungsstellen des AWO Kreisverbandes Nordsachsen e.V. besuchten die Schule mit neun sogenannten Babysimulatoren, die über jeweils eine Stunde von den Jugendlichen selbstständig betreut wurden.

Die Hightech-Puppen simulieren die Bedürfnisse echter Säuglinge: Sie müssen gefüttert, gewickelt, beruhigt oder einfach nur im Arm gewiegt werden. „Die Tagesabläufe der Simulatoren orientieren sich an typischen Routinen realer Babys. Es gibt aktivere Phasen, in denen die Betreuung richtig herausfordernd wird“, berichtet Nicole Julich, Mitarbeiterin der AWO Beratungsstellen in Eilenburg und Bad Düben.

Die Schüler und Schülerinnen machten ganz unterschiedliche Erfahrungen. Einige waren stolz darauf, wie gut sie mit der neuen Verantwortung umgingen, andere zeigten sich erleichtert, das „Baby“ wieder abgeben zu dürfen. Dennoch waren sich viele einig: Die Erfahrung war intensiv und spannend. „Die meisten Teilnehmenden sagen, dass genau dieser praktische Teil der spannendste war. Solche Erlebnisse vergisst man nicht so schnell“, so Julich weiter.

Die Projektumsetzung variiert je nach Schule. Manche bieten das Programm im Rahmen eines einzigen Unterrichtstags an, andere ermöglichen sogar mehrtägige Betreuungsphasen – inklusive Betreuung über Nacht. „Wenn die Jugendlichen Lust darauf haben, nehmen sie das Ganze sehr ernst“, ergänzt Joana Poschmann von der Beratungsstelle Delitzsch.

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele: Es soll junge Menschen für das Thema Elternschaft sensibilisieren und ihnen zeigen, wie stark sich das eigene Leben mit einem Kind verändert. Neben der praktischen Erfahrung werden auch Themen wie Verhütung, Sexualität, Selbstbestimmung und der Umgang mit Überforderung besprochen. Dabei gehen die Fachkräfte individuell auf die Fragen und Anliegen der Teilnehmenden ein – sowohl in der Gruppe als auch in Einzelgesprächen.

Ein besonders eindrucksvoller Bestandteil des Projekts ist der Einsatz von speziellen Babysimulatoren, die die Auswirkungen von Alkohol- oder Drogenkonsum während der Schwangerschaft veranschaulichen. Einer dieser Simulatoren zeigt z. B. Entzugssymptome wie Zittern oder schrilles Schreien. „Viele Schüler sind danach merklich betroffen – es wird ihnen klar, welche schwerwiegenden Folgen selbst geringe Mengen Alkohol auf ein ungeborenes Kind haben können“, berichtet Poschmann.

Die Rückmeldungen zum Projekt sind durchweg positiv. Weitere Einsätze sind bereits geplant. Interessierte Schulen können sich jederzeit an die Schwangerenberatungsstellen des AWO Kreisverbandes Nordsachsen e.V. wenden.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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